PoE ist tatsächlich sehr textgewaltig, vielleicht sogar mehr noch als die BG-Reihe. Anders als bei BG sind hier sogar handlungsbeschreibende Begleitsätze ("Regieanweisungen") in den Dialogen enthalten. Finde die zwar eher störend und redundant, aber es gibt ja vielleicht Leute, für welche sie die Handlung immersiver und atmosphärischer gestalten. Ähnlich ergeht es mir auch mit BG-Mods, die es mit den Handlungsbeschreibungen gerne mal übertreiben.
Auch bezüglich der Handlung selbst - ich finde es nicht schlecht, dass auch negative menschliche Seiten in Spielen behandelt werden, aber oft ist es mir zuviel
Vermutlich missverstehe ich dich hier, aber ist das nicht der Kern der meisten Konflikte, die in Geschichten - vor allem der Fanatsy - behandelt werden? Im goldenen Zeitalter der Fantasy gab es bloß sehr viele schablonenhafte und plakative Überzeichnungen von Schwarz und Weiß, Gut und Böse. Irgendwann hat sich der Fokus auf das realistische, alltägliche Böse verschoben und die Erkenntnis, dass die Welt tatsächlich weder einfach noch schwarz und weiß ist (und in gewisser Weise auch nicht gerecht).
Ich denke, der Überdruss rührt nicht zuletzt daher, dass diese Auffassung vom alltäglichen, menschlichen Bösen mittlerweile überstrapaziert und nicht mehr knackfrisch ist und die multiplen Krisen dafür sorgen, dass man sich nach Geschichten sehnt, die einfache und klar gezeichnete Figuren, Handlungen und Lehren anbieten und ein tröstliches Ende - wobei "einfach" hier nicht "primitiv" meint. Die Welt ist aktuell komplex, unsicher und deprimierend genug, viele möchten sich vermutlich nicht auch noch in Geschichten mit diesem Umstand befassen.
(Fun Fact: In Krisenzeiten soll im Schnitt eher positive, eingängige Musik wie Popmusik konsumiert werden. In Zeiten relativen Wohlstands und relativer Lebenssicherheit werden dagegen härtere und sozialkritischere Genres bevorzugt, z. B. Metal oder Rockmusik - vielleicht verhält es sich mit anderen Medieninhalten ähnlich.)
WTF und das jahrelang nach einem BG2 Release, EPIC FAIL!!
Gleichwohl: Nur weil PoE grafisch und stilistisch ähnlich zu BG ist, heißt das nicht, dass es Letzteres in allen Belangen imitieren muss. Ich bin sogar froh, dass es in vielen Dingen eigene Wege geht und nicht bloß "der Abklatsch von diesem einen Blockbuster von vor 25 Jahren" ist. Persönlich musste ich mich ebenfalls mit dem System anfreunden und finde auch, dass man es hätte decluttern sowie die Kämpfe übersichtlicher gestalten können, hatte aber letztlich keine Schwierigkeiten, mich einzufinden.
Ich finde Vergleiche zwischen scheinbar ähnlichen Spielen oftmals nicht gerecht und auch nicht angebracht. Das betrifft auch die Diskussion um BG3. Meist werden Werke behandelt wie Bilder, die zwar eine ähnliche Technik zeigen und vielleicht sogar von denselben Künstlern stammen, aber - Schreck! - nicht dasselbe Motiv und nicht den erwarteten Stil aufweisen. Da sie aber nie als Kopien voneinander konzipiert waren, halte ich es persönlich für bereichernder, sie als eigenständige Kreationen zu betrachten und auch als solche zu bewerten, statt sich immerzu an den Unterschieden abzuarbeiten.